Der Amazonas von Grellingen

Die Detektei hat in den letzten Wochen Fahrt aufgenommen, die Fälle häufen sich. Immer häufiger erreichen Jonas Lenz Einladungen. Vor wenigen Tagen etwa von Bootbauer Marcellus Steiner zu einer Kanufahrt auf dem Moossee, dem einzigen See im Kanton Baselland.

«Eine Werft ohne See», hätten viele gespottet. Marcellus lächelt. Und doch gibt es ihn, den Moossee. Nur kenne den Stausee zwischen den beiden Kraftwerken Moos und Nenzlingen kaum jemand, dabei sei er der einzige See im Kanton.

Hintereingang ins Paradies

Ein paar Wochen später treffen sich die beiden an der öffentlichen Einwasserungsstelle am Birsackerweg. Wer den einzigen See des Kantons entdecken will, muss zuerst einen Anhänger und eine Leitplanke überwinden. Der Ort wirkt wie ein vergessener Hintereingang zu einem Naturwunder, das niemand bemerken soll.

Auf dem Boden liegt ein fünf Meter zwanzig langes Kanu. Ein Kunstwerk aus einheimischen Hölzern, gebaut in sechs Wochen Handarbeit. Gemeinsam heben sie den Kanadier auf einen Slipwagen und ziehen das River Tandem an zwei namenlosen, im Gebüsch verstauten Schlauchbooten vorbei zu einem improvisierten Steg aus Holzpaletten. Dann gleiten sie aufs Wasser.

Bereits nach wenigen Paddelschlägen verändert sich die Welt. Links und rechts schliesst sich das Grün über ihnen, die Ufer verwildern. Äste reichen bis übers Wasser. Kein Motorengeräusch, kein anderes Boot, nur das rhythmische Eintauchen der Paddel. Lenz kommt sich vor wie auf einem Seitenarm des Amazonas. Nicht wegen der Grösse. Sondern wegen des Gefühls, in eine Landschaft einzutauchen, die gleichzeitig wild, ursprünglich und erstaunlich unbekannt ist.

Natur mit Seltenheitswert

Je weiter sie Richtung Chessiloch paddeln, desto dichter scheint der Urwald zu werden. Marcellus kennt die Birs wie andere ihre Nachbarschaft. Schon als Kind verbrachte er jede freie Minute am Fluss. Lange bevor er laufen konnte, sass er im Schlauchboot seines Vaters.

Heute zeigt er Lenz seine Birs. Dort ein Graureiher. Weiter vorne ein Kormoran. Eine Ringelnatter durchschneidet die Wasseroberfläche. Ein Schwarm Barben zieht unter dem Boot vorbei. Zwergtaucher. Ein Rotmilan kreist über ihnen. Libellen. Mönchsgrasmücken. Und plötzlich schiesst ein Eisvogel wie ein türkisfarbener Pfeil übers Wasser.

Vom Wasser aus zeigt sich das Laufental von einer Seite, die selbst viele Einheimische noch nie gesehen haben. Für einen kurzen Moment vergisst Lenz, dass er sich im Baselbiet befindet.

Die ganze Episode «Der Amazonas von Grellingen» findet sich im Wochenblatt vom 23./30. Juli 2026.

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