Sehnsuchtsort für das Analoge

Rundgang durch die Birsmill, ein Universum aus 45 Mietflächen. Die Räume sind begehrt. Momentan ist gerade einmal einer frei.

Bei Bruno und Tamara Stähli-Cueni dreht sich alles ums Bier. Vor 13 Jahren haben sie angefangen zu brauen, zuhause: sie in der Küche, er in der Waschküche. Heute bieten sie mit ihrem «Birsfall-Bier» auch Braukurse an. Ein Brautag dauert sechs Stunden, danach folgen drei Stunden Putzen.

Bei der Ferrum AG trifft Lenz auf Daniel Gentile, den Messerschmied. Seit 2006 ist er in der Birsmill und steht schon seit einem Jahr auf Lenz’ Liste. Industriezone, erklärt sich Lenz. Hier darf es auch einmal etwas lauter werden. Die Hälfte von Gentiles Arbeit besteht inzwischen aus Kursen. Die Menschen wollen nicht nur ein Messer kaufen, sie wollen es selber herstellen.

Thomas Hofstetter ist Holzbildhauer. Gerade arbeitet er an einem Geschenk für seinen Sohn. Seit zwei Jahren ist er hier. Auch die Fenster erzählen Geschichte: Sie wurden aus dem abgebrochenen Wasserkraftwerk gerettet.

Dann geht es zu BirsMillBoulder. Jan Stingelin führt durch die Boulderhalle. 18 Mitglieder zählt der Verein. Im Winter gibt es offene Sonntage zum Reinschnuppern.

Und schliesslich zur Brocante von David Bollig. 1000 Quadratmeter voller Dinge mit Vergangenheit. Bollig ist gelernter Informatiker und Sohn eines Brocanteurs. Seit sechs Jahren ist er hier und macht auch Räumungen. In Basel sei der Markt gesättigt, erzählt er. Im Laufental sei noch Platz.

Lenz gefallen vor allem jene Angebote, bei denen man mitmachen kann. Bier brauen. Messer schmieden. Holz bearbeiten. Klettern. Dinge anfassen und selber etwas herstellen.

Lenz erinnert sich an ein Gespräch mit Michael Kumli, Geschäftsführer von Baselland Tourismus. Das Laufental als Entdeckerregion für Kurzferien und Tagesausflüge entwickeln, hatte Kumli gesagt. Nicht nur Sehenswürdigkeiten zeigen, sondern Formate anbieten, bei denen Gäste selber Teil des Geschehens werden.

Lenz schaut auf die Boulderwand und denkt an die Braukurse, den Messerschmied und den Holzbildhauer. Das passt zur wachsenden Sehnsucht nach dem Analogen. Nach Dingen, die man anfassen kann. Nach Arbeit, bei der am Ende etwas in den Händen liegt. Nach Erfahrungen, die nicht auf einem Bildschirm stattfinden.

Das Laufental hat dafür überraschend viel zu bieten. Und die Birsmill bietet dafür Raum. Bezahlbaren Raum. Räume, in denen jemand anfangen kann, ohne zuerst ein grosses Geschäftsmodell vorlegen zu müssen. Räume, in denen eine Idee wachsen darf. Aus einem Hobby ein Beruf werden kann, aus einem Handwerk ein Kursangebot und aus einer alten Fabrik ein neuer Mikrokosmos.

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