
LAUFEN – «Ein Louis Quinze», sagt Iris Amacher, kaum hat Jonas Lenz den schweren Rahmen auf den Glastisch gelegt. Ein kurzer Blick genügt. Die Vergolderin erkennt den Stil sofort an den verzierten Mittel- und Eckstücken, am Schlagmetall im inneren Rahmen und am guten Erhaltungszustand.
Solche Momente faszinieren Jonas Lenz. Menschen, die über ein Wissen verfügen, das man nicht googeln kann. Das über Jahrzehnte gewachsen ist. Ein Blick, eine Geste, ein Detail, und schon öffnet sich eine Geschichte. Iris Amacher hat ihre Berufung gefunden. Sie vergoldet, restauriert und rahmt Kunstwerke, Spiegel und Erinnerungen. Ein Handwerk von beeindruckender Präzision und Geduld.
Gerade deshalb stimmt eine Zahl nachdenklich: In der ganzen Schweiz beginnen pro Jahr lediglich ein bis drei Jugendliche die vierjährige Lehre als Vergolderin oder Vergolder. Höchste Zeit, diesem seltenen Handwerk wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Denn nicht nur Bilder brauchen einen guten Rahmen. Manchmal gilt das auch für Berufe. Mehr dazu im Wochenblatt.

