
Treffpunkt Eichweg 19, 18 Uhr. Wer sich mit einem Stadtpräsidenten verabredet, erwartet ein Gemeindehaus, einen Sitzungssaal oder zumindest einen Tisch mit Traktandenliste. Pascal Bolliger hat anderes im Sinn. Er führt Lenz in den Wald, der eher an ein Märchen als an eine politische Gemeinde erinnert. Ohne Traktandenliste, dafür mit Wanderschuhen.
Mystischer Zauberwald
Hochsommerhitze liegt über dem Tal. Doch je weiter die beiden in Richtung Schachletetal vordringen, desto angenehmer wird die Temperatur. Feuchtigkeit liegt in der Luft, Moos überzieht Bäume, Steine und Felsnischen, das Licht wird gedämpft. «Ein Zauberwald», notiert Lenz. Bolliger nickt. «Der Wald ist unsere Tankstelle: kühl, grün und direkt vor der Haustür.» Ein bemerkenswertes Potenzial mitten im Hochsommer: ein natürlicher Zufluchtsort vor der Hitze, nur wenige Minuten vom Siedlungsgebiet entfernt.
Bolliger gehört zu den Menschen, die sich für ihre Umgebung begeistern können, ohne dabei in Pathos zu verfallen. Seine Augen beginnen zu leuchten, sobald er von Natur, Menschen oder Geschichten spricht. Er erzählt von seinem Werdegang: seinem ersten Beruf als Bäcker-Konditor, von der Mehlallergie, die ihn zu einem Neustart zwang, von der nachgeholten Berufsmaturität, seinem Weg zum Makler und schliesslich ins Nebenamt als Stadtrat und später als Stadtpräsident.
Geschichten und Gerüchte
An einer Weggabelung biegen die beiden rechts ab. Rifenacker. Wenig später links Richtung Unzengraben. Von den Silberlöchern habe er erst vor fünf oder sechs Jahren erfahren, sagt Bolliger. Eine Silbermine mitten im Wald von Röschenz? Die Silberlöcher gelten unter Geologen als Objekt von nationaler Bedeutung. Seit Jahrhunderten ranken sich Geschichten und Gerüchte um diesen Ort. Generationen von Schatzsuchern, Pfarrern, Bierbrauern, Glücksrittern und Hobby-Alchemisten haben hier auf Silber gehofft.
Und dann stehen sie plötzlich davor. Zwischen den Bäumen öffnen sich mehrere dunkle Eingänge im Kalkstein. Der Erbstollen. Der Friedrichsschacht. Ein rund ausgehauener Schacht. Eine Eisenleiter verschwindet in der Tiefe. Für einen kurzen Moment sagen beide nichts. Dann steigt Lenz hinunter. Bolliger folgt ihm. Unten angekommen stehen die beiden Männer nebeneinander wie zwei Buben, die soeben einen Geheimgang entdeckt haben. Mit ihren Handys leuchten sie in die Dunkelheit. Der Lichtkegel tastet über ein Kanalsystem, Nischen und Stollen.
Die ganze Episode «Die Silberlöcher von Brislach» findet sich im Wochenblatt vom 13. August 2026.

