Der Geigenbaumeister von Dittingen

Darauf hat sich Jonas Lenz seit langem gefreut. Dank eines Hinweises von Regina Weibel weiss er seit Monaten, dass in der Nachbarschaft der Präsidentin der Promotion Laufental ein renommierter Schweizer Geigen- und Cellobauer lebt: Jürg Albert Buchwalder, Jahrgang 1959, international vernetzter Experte für Reparatur, Bau und klangliche Optimierung von Streichinstrumenten.

Putzmann in Philadelphia

Dittingen, Kählenweg 4. Wie wird man eigentlich Geigenbauer, fragt Lenz, als er die Werkstatt betritt. Die Antwort beginnt mit einer Schulgeschichte. Der schönste Tag seines Schülerlebens sei der erste Tag nach der dritten Oberstufe gewesen. Danach sei er ein paar Jahre Vagabund gewesen. Jeden Sommer kommt er in die Schweiz zurück und verbringt drei Monate auf einer Alp. Dort verdient er so viel Geld, dass er den Rest des Jahres davon leben kann.

Mit den Jahren wird das Leben prekär. Buchwalder möchte sich mit etwas verbinden. Mit einer Leidenschaft, einem Lebensinhalt. Ende der 1970er-Jahre landet er in Philadelphia, arbeitet in einem kleinen Theater ausserhalb der Stadt als Putzmann. Eines Abends geht er mit Freunden in ein Konzert des Philadelphia Orchestra. Auf dem Programm steht Haydns «Schöpfung», Dirigent ist Eugene Ormandy. Der 20-jährige Buchwalder traut seinen Augen und Ohren kaum. Zum ersten Mal in seinem Leben hört er ein klassisches Live-Konzert.

Die Geige im Schrank

Das eigentliche Schlüsselerlebnis beginnt erst danach. Im kleinen Theater gibt es eine Geigerin, die ihre Geige in einem Schrank aufbewahrt. Buchwalder geht eines Tages allein in den Raum, schliesst hinter sich die Tür, öffnet den Schrank und nimmt den Geigenkasten heraus. Eine völlig unbekannte Welt liegt vor ihm. «Das will ich unbedingt lernen», sagt Buchwalders innere Stimme.

Für Lenz läuft inzwischen das Kopfkino. Der junge Mann, der ohne klassische Musik aufgewachsen ist, steht allein mit einer Geige in einem kleinen Raum. Er betrachtet ein Instrument, von dem er bis dahin kaum etwas wusste. Und plötzlich ist da etwas, das vorher nicht da war. Oder vielleicht doch. Ein schlummerndes Potenzial, das zwanzig Jahre lang auf diesen einen Moment gewartet hat.

Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe des Wochenblatts.

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