
Der neuste Hinweis kommt über 7 Ecken. In Blauen soll es ein Friseur-Talent geben, der Jugendlichen die Haare schneidet. Zur vollsten Zufriedenheit seiner Kunden. Eine günstige Gelegenheit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: einen neuen Fall aufspüren, ein verborgenes Potenzial entdecken und nebenbei den eigenen Kopf wieder in Form bringen.
Friseursalon auf dem Dachboden
Freitagnachmittag, 16.30 Uhr. Lenz steigt die Treppen einer 250 Jahre alten Scheune hoch. Unten Velokeller, in der Mitte ein kleiner Fitnessraum, ganz oben das Herzstück: eine Friseurnische auf dem Dachboden, wo früher Hockey gespielt wurde.
Empfangen wird Lenz von Christopher Spain, 15, der Autodidakt unter den Friseuren des Laufentals, und seinem Kumpel Benjamin Aemisegger, 16. Die beiden sind seit 13 Jahren dicke Freunde. Chris hat ihn vor einer halben Stunde kurzfristig als Model für einen Demonstrations-Haarschnitt aufgeboten. Während Benjamin von seiner Berufslehre beim Tiefbauamt erzählt, streift sich Chris eine schwarze Barberschürze und schwarze Nitrilhandschuhe über. Und schon wirkt der Dachboden wie ein professioneller Barbershop.
Modern Mullet mit Taper Fade
«Was darf es denn sein?», fragt Chris. Benjamin weiss es genau: einen «Modern Mullet mit Taper Fade.» Lenz versteht ungefähr so viel wie beim Lesen einer Steuererklärung. Chris klärt auf: «Der Modern Mullet verbindet längeres Haar im Nacken mit einem sanften Übergang an den Seiten. Kein Vokuhila der 1980er-Jahre, sondern dessen zeitgemässe, deutlich gepflegtere Variante.»
Kamm und Schere gleiten geschmeidig durch Chris’ Hände. Zwischendurch fragt er Benjamin, wie sein Tag gewesen sei, hört aufmerksam zu. Lenz beobachtet die Szenerie. Hier schneidet einer nicht einfach Haare. Hier hat einer verstanden, dass Dienstleistung auch Beziehung bedeutet.
Die Geburt von «Chris Cut»
Die Idee entstand aus einem einfachen Problem. Chris und Benjamin wollten alle zwei Wochen einen guten Haarschnitt. Dafür jedes Mal ins Stedtli zu fahren, inklusive Weg und Wartezeit, wurde beinahe zum Tagesprojekt. Und ganz zufrieden waren sie mit dem Ergebnis auch nicht immer. Also beschlossen sie, es selbst zu versuchen.
Chris schaute auf Social Media mehr als 50 Stunden Tutorials. Für 300 Franken kaufte er einen Barberstuhl, für knapp 1000 Franken Friseurutensilien und Mobiliar. Dann begann er zu schneiden. Benjamin war das erste Versuchskaninchen. Die Geburt von «Chris Cut», dem eigenen Business.
Anfangs kamen drei Kunden pro Monat. Heute können es an einem Samstag auch mal zehn sein. Die halbe Klasse lässt sich inzwischen von Chris die Haare schneiden. Jugendliche kommen aus Blauen, Laufen, Dittingen, Zwingen, Breitenbach und sogar Kollegen von Kollegen aus Basel. Benjamin ist voll des Lobes für seinen Freund, bevor er sich in den wohlverdienten Ausgang verabschiedet. Chris könne gut zuhören, beraten, saubere Übergänge und Konturen schneiden. Er hole Feedback ein und wolle sich stetig weiterentwickeln.
Mehr dazu in der neusten Episode im Wochenblatt.

