
Die Rolle von Jonas Lenz verändert sich. Anfangs war er Schatzsucher und Spurenleser, unterwegs auf der Suche nach verborgenen Fundstücken. Inzwischen breitet er seine Funde aus: Menschen, Orte, Geschichten, Fähigkeiten. Er verschiebt sie, probiert Verbindungen aus und sucht nach einem grösseren Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Aristoteles hätte vermutlich seine Freude daran.
Während Lenz seine Puzzleteile neu gruppiert, erreicht ihn eine neue Einladung. «Wir stellen euch sehr gerne ein interessantes Objekt vor», schreibt Urs Bieli. Gemeint ist die Birsmill in Laufen, eine Plattform für lokales Gewerbe, Kultur, Kunst und Handwerk. «Ein gefundener Ort für die Detektei Laufental.» Und womöglich ein neues Puzzleteil für seine Sammlung?
Die Lenz-Methodik
An einem Freitagnachmittag wartet Lenz an der Delsbergerstrasse 177. Urs Bieli fährt vor, öffnet den Kofferraum und lädt einen runden Stehtisch aus. Seine Partnerin Esther Grond legt zwei Ordner darauf. Pünktlich um 14.30 Uhr ist alles bereit.
Menschen wahrnehmen, einschätzen, auf sie eingehen: Teil der Lenz-Methodik. Beobachtung eins: Die beiden meinen es ernst und wollen vermutlich mehr erzählen, als Lenz aufnehmen kann. Beobachtung zwei: Zum ersten Mal trifft er jemanden, der ebenfalls Mobiliar im Kofferraum mitführt.
Industrieller Aufschwung
Der Tisch ist ein guter Einstieg. Bieli schlägt seine Ordner auf und beginnt mit der Geschichte der Birsmill. 1898 wird die Mühle gebaut. Die Birs liefert Energie, die Jurabahn bringt Waren und Menschen. Das Laufental erlebt einen industriellen Aufbruch. Dann folgen immer wieder verheerende Brände: 1921, 1969 und 2006. Explosiver Staub ist keine besonders gute Voraussetzung für eine ruhige Nachbarschaft. 1991 wird der Mühlebetrieb eingestellt, zwei Jahre später übernimmt die Bieli Immobilien AG das Areal. Ab 2004 beginnt ein neues Kapitel: Schritt für Schritt entsteht ein Ort für Kultur, Sport und Gewerbe.
Lenz hört zu und erkennt ein Muster. Er erinnert sich an seinen Gang durchs Büttenenareal in Grellingen und an die Alti Papieri in Zwingen. Puzzleteile einer gemeinsamen Geschichte: Wasserkraft und Eisenbahn ermöglichten einst den industriellen Aufschwung. Heute werden ehemalige Produktionsstätten neu genutzt und verwandeln sich in Kultur- und Gewerbezentren. Die Birsmill ist also nicht nur ein interessanter Ort. Sie steht exemplarisch für eine Entwicklung, die sich durchs ganze Laufental zieht.
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