
Was wäre eine Detektei ohne ihre Informantinnen und Informanten? Ohne jene Menschen, die mit sachdienlichen Hinweisen, überraschenden Fundstücken und heissen Spuren dafür sorgen, dass sich neue Geschichten auftun. Eine von ihnen ist Barbara Piatti. Zuerst meldete sie sich per Mail, dann per Telefon – und nun sitzt man sich persönlich gegenüber, im Tibits, mitten im Gespräch. Und wie es sich für eine gute Informantin gehört, bringt sie gewichtige Mitbringsel mit.
Da ist zum einen das Buch «Alles, was ich male, hat Augen», eine berührende Hommage an ihren Vater, den international bekannten Künstler Celestino Piatti. Zum anderen eine Box wie aus einer Wunderkammer: «Vierwaldstättersee & Gotthard», erschienen bei der Imaginery Wanderings Press. Eine Publikation, die sich nicht einfach liest, sondern entdecken lässt. Zauberhaft ist dafür kein zu grosses Wort.
Barbara Piatti ist promovierte Literaturwissenschaftlerin – und im Laufental aufgewachsen. In Duggingen besuchte sie die Primarschule, in Grellingen die Oberstufe, in Laufen das Gymnasium. Ihre gesamte schulische Sozialisation fand im Tal statt, geografisch am Rand, nahe am Ausgangstor. Duggingen als Schwelle, Angenstein als Portal in eine andere Welt. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie früh hinausgezogen ist.
Es zog sie nach Basel, ins dortige Kulturleben, und weiter hinaus in die grosse, weite Welt. Ein Praktikum beim dtv-Verlag in München, das Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Basel. Forschungsaufenthalte führten sie an die Stanford University in den USA, ans Wissenschaftskolleg zu Berlin und an die Karls-Universität in Prag. Ein Mini-Sabbatical in Ostkanada und Montréal diente der Inspiration und Erholung. Zu ihren literaturgeographischen Forschungen hat sie über 70 Vorträge in Europa und Übersee gehalten.
Und dann, 2017, die berufliche Rückkehr ins Tal. Der Auftrag «Laufen erzählt Geschichte» wird für Piatti zur Nostalgiereise – und zugleich zu einer neuen Annäherung. Aus der Audio-Produktion entstehen weitere semifiktionale, kulturgeschichtliche Tonspuren: zur Burgruine Pfeffingen, zum Wasserschloss Zwingen. Das Tal beginnt, sich erzählerisch zu melden, seine Stimmen hörbar zu machen.
Für die Detektei Laufental ist Barbara Piatti ein Glücksfall. Wegen ihres Denkens, ihrer Fantasie, ihres präzisen Blicks auf die Region. Und wegen ihres Netzwerks. Eine Seelenverwandte, die ebenfalls in Geschichten lebt, Unsichtbares sichtbar macht, Orte kartiert – nicht nur geografisch, sondern auch poetisch. Eine Informantin im besten Sinn: aufmerksam, neugierig, und immer mit einem neuen Hinweis im Gepäck. Danke.
Bild von Basil Huwyler

