Arkadenhalle mit Kaffee-Service

RÖSCHENZ – Kurz nach eins fährt Lenz mit seinem Ape auf den Dorfplatz. Lenz parkiert seinen Dienstwagen unter einem Baum und nimmt den Schauplatz in Augenschein. Vor ihm das stattliche Gemeindehaus, 1838 als Schulhaus erbaut, mit einer Arkadenhalle, die man einem Zweitausend-Seelendorf nicht ohne Weiteres zutrauen würde. Gleich um die Ecke erhebt sich die katholische Kirche St. Anna von 1828, spätklassizistisch, selbstbewusst, als wolle sie dem Dorf seit zweihundert Jahren versichern, dass hier alles seine Ordnung habe.

Fünf Treppenstufen führen hinauf in die Arkadenhalle. An der Eingangstüre liest Lenz die Öffnungszeiten. Montag geschlossen. Freitag geschlossen. Dass heute ausgerechnet der letzte Wochentag ist, kommt ihm entgegen. Mit gutem Gewissen kann er so den ohnehin nicht stattfindenden Publikumsverkehr blockieren und die Arkadenhalle temporär einer neuen Nutzung zuführen: Ermittlungsbüro.

Eine halbe Stunde später ist die Installation betriebsbereit. Linkerhand sitzt Patrick Neuenschwander, Standortförderer, konzentriert und mit abgedunkelter Pilotenbrille ausgestattet, als gäbe es Dinge, die besser im Schatten bleiben. Rechterhand Martin Schindelholz, Tourismusmann, Feuerwehrdenker und Freund pointierter Zuspitzungen. Er öffnet einen schwarzen Aktenkoffer.

Lenz schaut kurz in die Runde. Etwas an dieser Szenerie erinnert ihn an eine Besprechung aus einem Mafiafilm. Nur dass statt Geldkoffern ausrangierte Notizblöcke auf dem Tisch liegen und statt Schutzgelderpressung Regionalentwicklung verhandelt wird.

Während die Sitzung läuft, hält auf dem Dorfplatz immer wieder das Postauto. Türen öffnen sich. Menschen steigen ein, steigen aus. Ein ständiges Kommen und Gehen. Fast wie vor einem Hotel.

Dann geschieht etwas Unerwartetes. Hinter Lenz öffnet sich plötzlich die Türe des Gemeindehauses. Von innen. Ein Mann im weissen Polo-Shirt tritt auf die Bühne. Kurzer Blick. Freundliches Nicken. «Was darf ich Ihnen servieren? Kaffee? Wasser?»

Wenig später serviert Jean-Michel Peressini, Gemeindeverwalter von Röschenz, Getränke in die Arkadenhalle, als gehöre das hier ganz selbstverständlich zum Betriebssystem des Dorfes. Kein Formular. Keine Zuständigkeitsdebatte. Einfach Gastfreundschaft.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen