Tropfkonzert im Röschenzerhof

RÖSCHENZ – Röschenzerhof. Hoteltester. Ein Beruf, den Jonas Lenz seit Jahren in seiner inneren Sammlung alternativer Leben mitführt und sich bewusst für später aufgespart hat. Heute bietet sich Gelegenheit zu einem ersten Mini-Praktikum.

Die Hofbäder sind leer. «Baden wie im alten Rom», verspricht die Türe. Das ganze Spa gehört ihm allein. Viel Raum für seriöse Ermittlungsarbeit. Lenz trägt seinen gelben Meterstab auf sich, man weiss ja nie.

Direkt beim Eingang sticht ihm als erstes ein alter Brunnen ins Auge. Ein ehemaliger Futtertrog aus dem Jura. Er beugt sich darüber, klappt sein rechtes Ohr leicht nach vorne und lauscht dem Tropfkonzert. Zwei korrosionsblau verfärbte Wasserhahnen tropfen in unterschiedlicher Kadenz und Tonlage. Wie er erfährt, wird regelmässig nachjustiert, vom Architekten Werner Gerber persönlich. Nicht damit es aufhört, sondern wenigstens ein bisschen tropft. Auch das ist Architektur.

Als zweites legt sich Lenz ins Wasserbecken und lässt die Bilder der letzten Tage nochmals vorbeiziehen. Unter der Nackenmassagedüse – eine Art kleiner Wasserfall – misst er an der breitesten Stelle sechzig Zentimeter. Beachtlich. Im Hintergrund: eine mehrteilige Krustenplatte aus dem Liesberger Steinbruch. Äusserste Schicht. Laufentaler Kalkstein.

Zum Abschluss ein Schluck Leitungswasser aus dem Champagnerglas. Mit Blick auf einen grossen, goldig gerahmten Spiegel. Lenz denkt an Iris Amacher. An Vergoldungen. An seine Serie «Fragen ans Laufental». Welche Frage hier wohl passen würde? Vielleicht: «Laufental, was trägt dich, wenn du dich treiben lässt?»

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