
LAUFEN – Am Wassertor führt ein QR-Code mitten ins Spätmittelalter. Wer ihn scannt, begegnet dem Nachtwächter Peter, der von Gestank, Abwässern und der grossen Flut erzählt. Er erzählt, was er sieht, hört und riecht. Seine Stimme wirkt authentisch, ohne Pathos, ohne Museumston. Die fünfminütige Hörsequenz vermittelt Geschichte unmittelbar und sinnlich, als wäre sie Gegenwart.
Die Hörstation am Wassertor ist Teil des kulturhistorischen Audio-Rundgangs «Laufen erzählt Geschichte» (2018). Entwickelt von der Basler Literaturwissenschaftlerin Barbara Piatti, umfasst das Projekt zehn Stationen in der Altstadt. Historische Figuren berichten aus ihrer Lebenswelt, von der Jungsteinzeit bis 1989. Erzählt wird Geschichte «von unten», aus der Perspektive einfacher Menschen, die den Stadtraum in einen historischen Echoraum verwandeln.
Was, wenn man dieses Prinzip weiterzieht. Den Stein der Geschichte ins Rollen bringt, aber nicht rückwärts, sondern nach vorne: «Laufen erzählt Gegenwart». Keine Magd, kein Nachtwächter. Stattdessen ein Naturschützer, der von seinen Kämpfen mit dem Fluss erzählt. Oder noch besser: «Laufen erzählt Zukunft». Eine Lachsammlerin, die vom Glück im Kleinen spricht. Eine soziokulturelle Animatorin, die von einem «Wohnzimmer der Gesellschaft» träumt. Stimmen von heute und von morgen. (mr)

