Laufen im Ausnahmezustand

Laufen im Ausnahmezustand

Der Mystery-Walk «Vermächtnis» führt Jonas Lenz auf eine heisse Spur: Das erste Escape-Game von Mathias Kressig und seiner Kollegin Denise Jost-Cueni basiert auf einer wahren Begebenheit, auf dem Fall der deutschen Bankräuber Kurt Sandweg und Waldemar Velte, dem schwersten Verbrechen Basels im 20. Jahrhundert.

Die Kurzfassung liest sich wie ein düsterer Roadmovie-Stoff: Zwei junge Männer aus Wuppertal, arbeitslos und auf der Flucht vor Nazideutschland. 1933 ein Banküberfall in Stuttgart, der Filialleiter wird erschossen. Ziellos treiben sie weiter und stranden in Basel. Dort verliebt sich einer von ihnen in Dorly Schupp, eine Schallplattenverkäuferin. Er kauft Tango-Platten, Tag für Tag, bis das Geld aufgebraucht ist. Ein weiterer Banküberfall folgt, erneut mit Todesfolge. Die Flucht endet auf gestohlenen Fahrrädern in einem Steinbruch bei Laufen.

2002 verarbeitete der Schweizer Schriftsteller Alex Capus die Geschichte im Roman Fast ein bisschen Frühling, in dem das Laufental eine zentrale Rolle spielt. Er schildert etwa, wie die beiden Bankräuber an einem Samstagabend im Restaurant Zum Bahnhof «Zwäimoll Röschti mit Brotwurscht und eme griene Salat» bestellen und in aller Ruhe essen, bevor sie in die Nacht hinaustreten und ihre Flucht fortsetzen. Kurz darauf kommt es im Steinbruch Schachlete zu einem Schusswechsel: Ein Polizist wird getötet, ein weiterer schwer verletzt. Laufen gerät in einen Ausnahmezustand. Noch am selben Abend wimmelt das Städtchen von Polizei. Um 22 Uhr wird das Gebiet im Umkreis von 25 Kilometern hermetisch abgeriegelt. Brücken werden bewacht, Strassen gesperrt, Patrouillen durchkämmen Wälder, Steinbrüche und Höfe. Das Laufental wird zur Fahndungszone. Ein Verbrechen, das Geschichte schrieb und heute die Grundlage für ein immersives Spiel bildet. (mr)

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