
Im Mai bestellt, an Weihnachten geliefert – die Geschichte der Ape war bereits eine kleine Odyssee gewesen. Ursprünglich hätte die Detektei Laufental schon im August mit ihrem dreirädrigen Dienstwagen in die Saison starten sollen. Stattdessen verschob sich der öffentliche Start um ganze neun Monate. Fast eine Schwangerschaft. Eine Zangengeburt mit italienischem Einschlag.
Im Frühling wird die Ape schliesslich aus ihrem Winterquartier in Blauen geholt. Langsam rumpelt sie hinunter Richtung Laufen, wo sie nach einigen vorsichtigen Testfahrten am 1.-Mai-Markt ihre öffentliche Geburt erleben soll.
Die erste Fahrt führt Jonas nach Nenzlingen zur Brocki-Halle, um Mobiliar für sein Ermittlungsbüro unter freiem Himmel zu kaufen. Feierabendverkehr. Radstreifen. Dauernd wird er überholt: von Autos, Velos, gelegentlich vermutlich auch von ambitionierten Fussgängern. Die Ape schafft auf gerader Strecke tapfere 38 Stundenkilometer. Jonas hält das Lenkrad fest umklammert und grinst. Genau so hat er sich das vorgestellt.
Die zweite Testfahrt wird anspruchsvoller: hinauf nach Röschenz. Bereits die leichte Steigung der Röschenzerstrasse bringt den kleinen Zweitaktmotor ins philosophische Nachdenken. Im ersten Gang kriecht die Ape mit neun Stundenkilometern den Hügel hoch, hustend, schnatternd, knatternd. Mit einem höllen Lärm, der in wildem Kontrast zur unaufgeregten Geschwindigkeit steht.
Doch genau darin liegt ihre Qualität. «Die Ape ist die letzte Überlebende einer untergegangenen Epoche, als die Autos noch klein und die Welt übersichtlich war», schrieb die Frankfurter Allgemeine einst in einem Abgesang über das poetische Gefährt, dessen Produktion vor einem Jahr zumindest in Italien eingestellt wurde. Jonas hätte den Satz sofort unterschrieben.
38 Stundenkilometer scheinen ihm die ideale Ermittlungsgeschwindigkeit. Langsamer fahren, mehr sehen. Während moderne Fahrzeuge die Landschaft nur noch durchqueren, erlaubt die Ape Begegnungen. Menschen winken. Lachen. Beginnen Gespräche. Kinder zeigen mit dem Finger auf das Fahrzeug, Erwachsene erzählen plötzlich von ihren Ferien in Italien oder ihrem Onkel mit Vespa-Werkstatt.
Am Laufentaler Tag stellt Patrick Neuenschwander die Ape vor dem Gymnasium Laufen ab. Sofort bildet sich eine kleine Traube von Menschen. Ob Gemeinderat, Stadtrat, Stadtpräsident oder Regierungsrat: Alle wollen sich ans Steuer setzen und strahlen dann im Cockpit, als hätten sie soeben einen lang verdrängten Bubentraum wiedergefunden.
«Jetzt ist die Detektei angekommen», schreibt Neuenschwander in seiner WhatsApp-Nachricht an Lenz.
Und tatsächlich: Die Ape macht etwas sichtbar, das Jonas schon lange spürt. Während der Begriff «Detektei» bei vielen zunächst Distanz erzeugt, löst die Ape diese Distanz sofort wieder auf. Sie macht die Detektei nahbar. Berührbar. Fast harmlos.
Eine Detektei zum Anfassen.

