
RÖSCHENZ – Hinderfeld, am Rapsfeldweg. Ein Büro, wie es sich Jonas Lenz schon immer erträumt hat, und zugleich eines, das sich jeder klassischen Definition entzieht. Kein Dach, keine Wände, kein WLAN.
Rundherum: Rapsfelder in Hochform. Ein Gelb, das fast zu intensiv ist, um wahr zu sein. Frisch geschnittenes Gras legt sich wie ein leiser Duftfilm über die Szene. Hoch oben zieht ein Rotmilan seine Kreise, als würde er die Ermittlungen aus der Luft begleiten. Unten antworten die Vögel, weiter hinten schlägt eine Kirchenglocke. Sonst: nichts. Eine Stille, die nicht leer ist, sondern trägt.
Jonas Lenz erhebt sich, zückt seinen Meterstab und versinkt im goldgelben Blütenmeer, um die höchsten Rapshalme zu vermessen, die höher sind, als Lenz gross ist. 186 Zentimeter. Was für ein Potenzial.
Dann setzt er wieder den Stift an. «Die Natur ist im Laufental Potenzial Nummer 1», notiert er in sein rotes Journal. Ein Satz, der so schlicht daherkommt, dass man ihn fast überlesen könnte, und doch eine Spur legt.
Denn was sich hier zeigt, ist mehr als Kulisse. Es ist eine Landschaft, die arbeitet: mit Licht, mit Jahreszeiten, mit Übergängen. Offene Felder, weiche Hügel, Wege, die sich nicht aufdrängen, sondern einladen. Ein Naherholungsgebiet, sagt man.
Jonas blickt über die Wiesen, lässt das satte Gelb noch einmal auf sich wirken und denkt: Vielleicht ist genau das die eigentliche Qualität dieses Tals, dass es nichts beweisen muss.
Bild: Romana von Tana

