
Lucas Rössner pendelt seit bald drei Jahren täglich von Basel nach Laufen. Siebzehn Minuten, sagt er, seien genau die richtige Distanz: lang genug, um Arbeit und Privatleben zu trennen, kurz genug, um sich nicht zu verlieren. Für den Leiter der Musikschule Laufental-Thierstein ist die Zugfahrt entlang der Birs mehr als ein Weg zur Arbeit, sie ist ein Übergangsraum zwischen zwei Welten.
Aufgewachsen in Halle an der Saale, musikalisch geprägt in der DDR, erlebte Rössner früh, was es heisst, in klar umrissenen Systemen zu leben. Talent wurde gefördert, Musik galt als Lebenselixier, nicht als Luxus. Der Mauerfall fiel mitten in sein Studium, das erste Semester verschwand im Umbruch der Geschichte. Übergänge, Brüche, Neuanfänge – Erfahrungen, die seinen Blick bis heute schärfen.
Im Laufental schätzt er die wohlwollende Direktheit, die Nähe, die Kleinheit. «Es gibt hier niemanden, der den anderen nicht kennt», sagt er. Auf dem kurzen Weg durchs Stedtli bleibt man stehen, wird begrüsst, erkannt. Heimat entstehe nicht nur aus Herkunft, sondern aus Wiederholung. Gleichzeitig wahrt er Distanz: Die verwobene Gesellschaft bleibt im Tal, Basel beginnt siebzehn Minuten später.
Das Denken, beobachtet Rössner, sei stark in den Gemeinden verankert. Lokal. Überschaubar. In Grellingen wehen noch Berner Fahnen – ein Bild, das ihn an den Mauerfall erinnert und an das leise Gefühl, dass früher manches einfacher war. Für ihn liegt die Zukunft im Verbinden: aus der Fülle schöpfen, nicht aus dem Mangel. Das Laufental als Resonanzraum zwischen Nähe und Weite – genau dort, wo seine tägliche Reise beginnt und endet.
Bild von Reza Kaviani

