Ermittlungsbüro auf Bahnsteig 1

Bahnhof Laufen, Freitagmorgen, 10 Uhr. Jonas Lenz hat sein Ermittlungsbüro auf Bahnsteig 1 eingerichtet. Tisch, zwei Stühle, Papierrolle, rotes Journal. Alles da. Nur das Bürogebäude fehlt.

«Was machen Sie da?», fragen zwei ältere Damen, holen sich noch schnell einen Kaffee am Kiosk, kommen zurück und lassen sich im Schnellverfahren in die Detektei einführen. Danach übernehmen sie selbst das Wort und erzählen, was sie mit dem Laufental verbinden. Ein romantisches Tal, sagen sie. Die unverbaute Birs. Viele Hügel. Wälder. Und Wege, auf denen man stundenlang keinem Menschen begegne.

Lenz notiert. Wenig später rollt der IC51 ein. Die beiden Damen steigen ein Richtung Delémont–Biel–Lausanne und verschwinden so abrupt, wie sie aufgetaucht sind. Klassischer Bahnhofsfall, denkt Lenz.
Kurzbegegnung. Aussage protokolliert. Zeuginnen verschwunden.

Im Hintergrund der Szenerie: das ehemalige Stellwerk. Irgendwann wurde es zum Warteraum umfunktioniert. Lenz war auf Anhieb verliebt. Ein vorspringender, fast vollständig verglaster Kubus mit fein gegliederter Stahlprofil-Rasterverglasung. Schlanke Pfosten und Riegel teilen die Fassade in präzise proportionierte Rechtecke. Lenz misst 35 mal 70 Zentimeter. Lenz tritt einige Schritte zurück. Rechnet. Visualisiert. Siebzehn Exponate am Stück. Siebzehn, seine Lieblingszahl.

Jedes einzelne Fundstück der Detektei könnte hier seinen eigenen Rahmen bekommen. Fotografien, Fragen, Fundstücke, Notizen, Spuren. Keine klassische Ausstellung. Eher ein begehbares Ermittlungsprotokoll. Plötzlich ist sie da, die Idee. Hier könnten im Herbst die Ergebnisse der Detektei Laufental landen. Nicht im Museum. Nicht im Gemeindehaus. Am Bahnhof. Dort, wo Menschen ohnehin vorbeikommen. Das ehemalige Stellwerk als Ausstellwerk.

Bild: Richard Wegner

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