
Vor zwanzig Jahren habe sie ein Anruf erreicht, erzählt Iris Amacher, Vergolderin von Beruf. Der damalige Besitzer des Bären suche einen Spiegel. Einen besonderen.
Sie fand ihn im Keller von Freunden. Schwer, barock, aus einem Herrenhaus in Arlesheim. Ein Stück mit Geschichte – und mit Wunden. Rund dreissig Stunden arbeitete sie daran. Reinigen, festigen, ergänzen. Vergolden. Dem Spiegel nicht etwas hinzufügen, sondern ihm zurückgeben, was er einmal war.
«Eigentlich habe ich einen Spiegel eingerahmt», sagt sie.
Der Satz bleibt im Raum stehen.
Und als wäre das nicht genug an Kreislauf: Zwanzig Jahre später taucht derselbe Spiegel wieder auf. Im Keller des Bären. Die neuen Betreiber holen ihn ans Licht zurück. Und wieder ist es Iris, die sich seiner annimmt. Zwei Tage Arbeit diesmal. Auffrischen, überarbeiten.
Doch die eigentliche Herausforderung war eine andere: den schweren Spiegel in die Bruchsteinmauer einzulassen. Ein Kraftakt. Ein Verankern – im wörtlichen Sinn.
Jonas sieht ihn vor sich. Nicht nur als Objekt, sondern als etwas, das Räume verändert. Ein Corpus delicti, das zwei Zeiten verbindet, zwei Besitzer, zwei Restaurierungen. Ein stiller Zeuge.
Nebenbei erzählt Iris von ihrer anderen Arbeit für den Bären. Möbel suchen, Dinge finden, die passen. Ein braunes Chesterfield-Sofa aus Olten. Leuchtflaschen. Rahmen. Immer auf der Suche nach dem richtigen Kontext.
Als Mädchen, sagt sie, habe sie oft vor genau diesem Ort gestanden. Damals war hier das Musikhaus von Otto Jegerlehner. Sie drückte die Hände an die Scheibe, schaute hinein in diese chaotische, magische Welt. Schachtel auf Schachtel. Und doch fand er alles. «Mit einem Handgriff», sagt sie.
Vielleicht, denkt Jonas, beginnt alles genau so: mit einem Blick von aussen. Mit einer Faszination, die bleibt.

