
Grellingen. Beim Gang durchs Büttenenareal entdeckt Jonas Lenz einen Fremdkörper: einen Katamaran. «Steiner Werft» steht darauf. Ein Staubsauger heult. Leben. Arbeit. Gegenwart. Eine Bootswerft in Grellingen? Im Laufental, wo man eher an Fabriken, Werkstätten oder Steinbrüche denkt als an Schiffsbau? Lenz bleibt stehen.
Die Werkstatttüre steht offen. Drinnen arbeitet ein Mann mit langem weiss-braunen Bart an einem Holzboot, trägt Pech und Teer auf, als gäbe er ihm eine neue Haut. Marcellus, wie er sich nennt, erzählt aus seinem Leben: Basel, Aesch, Biel. Bootbauer EFZ, Kunsthandwerker, Maler. Und Fernweh – mehr als zehn Jahre Indien.
Seit 2017 betreibt er hier die Steiner Werft. Boote nach eigenen Plänen, Umbauten, Reparaturen, Zulassungen. Keine Motoren, kein Plastik – reine Holzschiffe, alles handgemacht. Von der ersten Zeichnung bis zum letzten Anstrich vergehen rund drei Monate.
Die Leidenschaft begleitet ihn seit seiner Kindheit. Schon als Bub fischte er hier an der Birs, war mit dem Schlauchboot unterwegs, lange bevor er richtig laufen konnte. Sein Vater fuhr zur See. Das Stehrudern, eine alte Tradition, wollte er hier wieder aufleben lassen.
Oft habe man ihn belächelt: eine Werft ohne See. Und doch gibt es ihn – den Moossee, einen Stausee zwischen den Kraftwerken Moos und Nenzlingen, den einzigen See im Kanton. Der einzige Ort im Tal, an dem sein Plan möglich ist.
Daraus entstand die Idee der Chessiloch-Barke: ein Ruderboot nach historischem Vorbild aus Lärchen- und Robinienholz. Vier Plätze, gerudert wird stehend, mit Blick nach vorne – wie in Venedig.
Im Sommer 2024 durfte die Barke während zwei Monaten fahren. Die Begeisterung war gross. «Jetzt wohne ich mein ganzes Leben hier und wusste nichts davon», habe eine ältere Passagierin gesagt.
Längst ist der Steg wieder verschwunden. Das Schild liegt in der Werkstatt, das Boot ist verkauft. Doch morgen, sagt Marcellus, habe er einen Termin beim kantonalen Tiefbauamt. Thema: Zugänglichkeit zur Birs.
Vielleicht ist es eine kleine Hoffnung. Denn dieser Ort ist etwas Besonderes – eine einmalige Sache im Laufental. Und vielleicht auch eine verpasste Chance.
Bild von Martin Staub

