Wirtshausmuseum zum Anfassen

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«Eigentlich ist ja alles schon geschrieben», meint Ernst Gerber und verweist auf Linard Candreias Buch Laufental aus dem Jahr 2015. Darin wird das Rössli als «Wirtshausmuseum» bezeichnet. Jonas Lenz schaut sich um: ein Kachelofen, am Boden fixierte Tische mit barocken Füssen, eine Jukebox Jahrgang 1963, eine vollautomatische Kegelbahn. Zeitungen auf Französisch und Deutsch liegen aus – Le Quotidien Jurassien, die Berner Zeitung, das Wochenblatt. Nur die Basler Zeitung fehlt.

Ernst Gerber erzählt, er sei 1938 geboren, am 1. Januar. «Ich verdanke mein Alter der guten Luft», fügt er hinzu und zwinkert. Früher Automechaniker, führte er die Dorfgarage. Nach dem Tod seiner Frau Hanni übernahm er das Rössli. Seine Familie wirtet hier seit 1880. Die Hochzeiten und grossen Feste sind vorbei. Heute kommen der Pöstler am Morgen, drei Pensionierte zum Apéro, vier Stammgäste am Nachmittag.

«Besuchen Sie unsere vollautomatisierte Kegelbahn», steht auf einer gelben Plakette direkt über der Uhr, deren Zeiger kurz nach halb neun stehen. Hergestellt von der Maschinenfabrik Schmid & Co. Jonas geht durch den alten Festsaal. Stühle von Horgenglarus, seit Jahren aufgestuhlt. Staub vergangener Feste liegt in der Luft. Die letzte Hochzeit fand 2010 statt. Ernst seufzt.

Dann die Kegelbahn: türkis gestrichen, Kugeln aus schwerem Holz. Ernst richtet die Holzkegel, als folge er einer vertrauten Choreografie. Auf dem Rückweg werfen sie einen Blick in die Küche: grüne Arbeitsplatte, Brotschneidemaschine, Stapel von Tellern, Zetteln, Artikeln. Büro und Küche zugleich. Ein Stillleben aus Alltag und Einsamkeit.

Zurück in der Gaststube drückt Ernst auf die Tasten der Jukebox. «Je sens tu es» von den Shorts erklingt – ein Gegenmodell zu Spotify. Linard Candreia hatte recht: Das Rössli ist ein Wirtshausmuseum. Ein Museum zum Anfassen. Keine Schilder mit «Berühren verboten». Wer hierher kommt, darf alles ausprobieren.

«Lasst ihn hochleben», schrieb ein Journalist im Beizenführer Aufgegabelt, «bringt Freunde, Rauchwürste, Brot und Wein, deckt die Tische und feiert Ernst und sein Rössli.» Lang lebe Ernst. Und lang lebe die Idee, dass Orte wie das Rössli nicht sterben, sondern Teil eines lebendigen Museums werden.

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