
Im Café Kern erzählt Thomas Jermann (80) ein Stück fast vergessener Arbeitsgeschichte. Der Steinspezialist aus dem Laufental ist «einer der letzten Mittagessen-Träger», und hatte eine Kindheit, die heute kaum mehr vorstellbar ist.
In Dittingen endete der Schulunterricht früher, damit die Buben das Mittagessen in die Steinbrüche bringen konnten. Aluminiumkübel, gefüllt mit Bohnen, Eintopf und Speck, wurden über Felder getragen, zwanzig Minuten im Laufschritt, der Deckel heiss, der Hunger gross. «Wir gingen immer zu dritt», erinnert sich Jermann. «War schön», sagt er und lächelt. «Viel Seich gemacht. Wir sind mit den Loren rumgefahren, wie im Bergwerk. Kein Helm, keine Angst, nur Spass.»
Die Arbeit im Steinbruch prägte seine Familie über Generationen. Grossvater und Vater waren Steinhauer, Jermann selbst begann mit 15 die Lehre. Später formte er den Stein statt ihn zu brechen, fertigte Treppen, Brunnen und Fenstergewände, bevor er mit 22 Jahren in den Grabsteinhandel wechselte. «Man lernt Demut», sagt Jermann, «wenn man täglich mit Endgültigkeit zu tun hat.»
Heute bleibt von dieser Zeit vor allem die Erinnerung. Und die Rolle als einer der letzten, die noch wissen, wie es war, als Kinder das Mittagessen in den Steinbruch trugen. Ein kleines, aber prägendes Kapitel regionaler Industriegeschichte.

